Bronislaw Huberman

Veröffentlicht auf von Dirk Nabering

Huberman mit Toscanini.

Huberman mit Toscanini.

Bronislaw Huberman  
gilt als einer der wesentlichsten Geiger überhaupt.  
Schon im Alter von sieben Jahren trat er in Konzerten auf ( Debut: Spohr-Konzert). 
In einer polnisch-jüdischen Familie aufgewachsen, geboren am 19.Dezember 1882 in Czestochowa, wurde er mit zehn Jahren nach Berlin geschickt, um sich bei Joseph Joachim und bei Carl Markees zu vervollkommnen.
Johannes Brahms spendete dem jungen Huberman Applaus für die Aufführung seines Violinkonzertes (Wien, 29.Januar 1896). 
Bis zum Sommer 1933 lebte Huberman in Berlin. Von dort zog er nach Österreich ins Hetzendorfer Schlössl bei Wien, bis die politischen Ereignisse erneut sein Auswandern erzwangen.
Er fand, wie zahlreiche seiner Leidensgenossen, Aufnahme in den Vereinigten Staaten.
Erst im Sommer 1945 konzertierte Huberman wieder auf europäischem Boden: bei den Musikfestwochen in Luzern.

Im Sommer 1933 wurde Huberman von Wilhelm Furtwängler eingeladen, erneut als Solist beim Berliner Philharmonischen Orchester aufzutreten. Sein (auf diesen Seiten ebenfalls wiedergegebener) Antwortbrief vom 10.Juli 1933 ist ein eben so bewegendes Dokument, wie sein "Offener Brief", erschienen am 7.März 1936 im Manchester Guardian, in dem er das Schweigen der Intelligenz anklagt.
Das Angebot Furtwängelers hatte er 1933 zurückgewiesen, wie dies auch andere Instrumentalisten ablehnten, zu denen Menuhin, Piatigorski, Casals, Thibaud, Adolf Busch und Fritz Kreisler zählen.

Huberman widmete sich nicht nur den großen Violinkonzerten und dem Sonatenschaffen, sondern mit Vorliebe auch der Kammermusik. Im Trio- und Quartettspiel zählten Arthur Schnabel, Ignaz Friedman, Pablo Casals und Paul Hindemith (Viola) zu seinen Partnern.
In Sonaten-Abenden trat er mit Eugen d'Albert (Beethoven-Programm, 1917) auf, ebenso mit dem legendären Fredéric Lamond.
Zu den Dirigenten, mit denen Huberman konzertierte, zählten  -in früher Zeit- Hellmesberger (1903) und Arthur Nikisch (zwischen 1903 und 1917), Ferdinand Löwe ( Wien 1906 mit den Violinkonzerten von Sinding und R.Strauss ), später Bruno Walter, George Széll, William Steinberg, Wilhelm Furtwängler (zwischen 1925 und 1931 vielfach), Otto Klemperer (Wien 1936), Issay Dobrowen, Fritz Steinbach, Malcolm Sargent ( LSO November 1945) und Willem Mengelberg.
Zu den wenigen Novitäten, die er in sein Repertoire aufnahm, zählen Kompositionen von Szymanowski (deutsche Erstaufführung des Violinkonzertes mit dem Berliner Philharmonischen Orchester 1926) und Medtner.
Zahlreiche seiner Aufnahmen genießen bis heute Vorbildcharakter dank ihrer imponierenden Gestaltungskraft.
Huberman spielte die 1713 gebaute Stradivari >Gibson ex Huberman<, die ihm 1936 aus der Künstlergarderobe der Carnegie-Hall gestohlen und die erst 1985 wieder gefunden wurde.
Vorübergehend spielte er dann auf (s)einer Guarneri del Gesú (1734 in Cremona gebaut), die er in den frühen dreißiger Jahren erworben hatte. Ein Glücksfall wollte es, daß Fritz Kreisler gerade im Jahr 1936 seine bisherige Stradivari verkaufen und eine andere Stradivari-Geige erstehen wollte. So gelange Huberman 1936 an Kreislers bisherige Geige, die im Jahr 1733 gebaut worden ist.

Der große Humanist Bronislaw Huberman war ein Vorkämpfer eines jüdischen Staates in Palästina. Er begründete 1935 das "Palestine Orchestra", aus dem sich 1948 das "Israel Philharmonic Orchestra" bildete. Mit der Gründung des "Palestine Orchestra" verschaffte Huberman nahezu einhundert jüdischen Musikern aus Europa Hoffnung und Arbeit und bewahrte somit die meisten von ihnen -und deren Familien- vor dem wahrscheinlichen Tod durch die Nazis.

Am 30.März 1936 nahm Huberman an einem von seinem Freund Albert Einstein ausgerichteten Fundraising-Dinner zu Gunsten der Gründung des Orchesters teil und verlängerte, des Erfolges wegen, die Fundraising-Kampagne mit Einstein um weitere drei Wochen.

Als Dirigent für das erste Auftreten des Orchesters (am 26.Dezember 1936) hatte Huberman Arturo Toscanini gewonnen, der Kompositionen von Rossini (Ouvertüre), Brahms (Symphonie D-Dur), Schubert (Symphonie h-moll),  Mendelssohn, und, zum Schluß, Weber's Oberon-Ouvertüre, aufs Programm setzte.

Huberman starb am 16.Juni 1947 in Corsier-sur-Vevey.
DN

Verwiesen sei ausdrücklich auf die ausführliche, hervorragende Biographie auf der Seite

http://www.huberman.info/biography/eraly_years/  Link siehe ganz unten; zum Weiterlesen von Seite zu Seite klicken Sie bitte jeweils unten rechts auf den Seiten jener Biographie "continue" an.
 

 

Programmzettel, Brahms-Fest Wien 1933

Programmzettel, Brahms-Fest Wien 1933